"Reflexionsanlässe im Sachunterricht" - transdisziplinäres Entwicklungsteam

"Reflexionsanlässe im Sachunterricht" - transdisziplinäres Entwicklungsteam

Wie können Lehrkräfte für eine zukunftsfähige, gesellschaftlich verantwortungsvolle Schule ausgebildet werden?

Durch seine Vielperspektivität und seine Nähe zu Querschnittsthemen wie Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Demokratiebildung hat der Sachunterricht dabei an der Grundschule eine zentrale Rolle – gesellschaftswissenschaftliche Perspektiven gewinnen hier zunehmend an Bedeutung. Daher hat die Leuphana Universität die Lehrkräftebildung für den gesellschaftswissenschaftlichen Sachunterricht neu ausgerichtet: Die Bezugsfächer Geographie, Geschichte und Politik, Gesellschaft, Wirtschaft werden seit dem Sommersemester 2025 im neu entwickelten Teilstudiengang GeWi zu einem integrierten Bezugsfach zusammengefasst. Mit diesem integrierten Ansatz werden die Bezugsdisziplinen nicht mehr isoliert betrachtet, sondern als dynamische, sich überschneidende Perspektiven verstanden. Damit wird die Lehrkräftebildung im Sachunterricht sowohl an gesellschaftliche Phänomene in der Lebenswelt der Kinder als auch an komplexe gesellschaftliche Fragen und Problemlagen anschlussfähig.

Transdisziplinäre Kooperation

Um die Entwicklung des Bezugsfachs GeWi wissenschaftlich fundiert und praxisnah zu begleiten, wurde im Rahmen des Studiengangs Bachelor Lehren und Lernen, Unterrichtsfach Sachunterricht ein transdisziplinäres Entwicklungsteam eingerichtet. Das Entwicklungsteam setzt sich aus Forschenden, Lehrkräften aus der Praxis, Studierenden der höheren Semester und einer Studienseminarleitung (aus der zweiten Phase der Lehrkräftebildung) zusammen. Diese Zusammensetzung ermöglicht eine kontinuierliche Rückkopplung zwischen Forschung, Hochschullehre, Vorbereitungsdienst und schulischer Praxis.

Praxisnähe und Reflexion

Die Kooperation ist nicht nur strukturell angelegt, sondern auch prozessual verankert: Die Mitglieder des Teams entwickeln und gestalten die Seminare des Bezugsfachs GeWi, sodass die Grenzen zwischen der Forschung, der Hochschullehre, dem Vorbereitungsdienst und der Praxis aufweicht werden:

  • In Projektseminaren haben die Studierenden die Gelegenheit, mit den Grundschulen der Lehrkräfte zu kooperieren und selbst entwickelte Lernmedien (z.B. ActionBounds, Lernwerkstätten und Planspiele) in der Praxis zu erproben.
  • Themenspezifische Seminartermine werden von den Lehrkräften und der Studienseminarleitung des Teams geleitet. Dabei wird praxisrelevant diskutiert und die Studierenden werden zur Reflexion angeregt.
  • Reflexive Studienmaterialien - beispielweise für die Portfolios der Studierenden - werden gemeinsam entwickelt und erhalten dadurch ebenfalls eine stärkere Praxisverankerung: Reale Unterrichtsbeispiele können Ausgangspunkt der Reflexion werden.

Ein Modell für zukunftsfähige Lehrkräftebildung

Das neue gesellschaftswissenschaftliche Bezugsfach im Sachunterricht stellt ein perspektivenintegrierendes, reflexives und praxisorientiertes Bildungsmodell dar, das die Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung und gesellschaftlichen Teilhabe adressiert. Durch die transdisziplinäre Kooperation, die Integration von Forschung und Praxis sowie die aktive Einbindung von Lehrkräften, Studierenden und Studienseminar wird ein Beitrag zur Qualitätsentwicklung der Lehrkräftebildung geleistet – mit dem Ziel, Lehrkräfte auszubilden, die nicht nur fachlich kompetent, sondern auch gesellschaftlich reflektiert und handlungsfähig sind.