Im Rahmen des ProBioTIC-Projekts (Promoting Biodiversity through Transdisciplinary Learning Interventions in the Carpathians) hat die Leuphana Universität ein Seminar entwickelt, das sich auf transdisziplinäre Outreach-Arbeit in dieser biodiversitätsreichen Region konzentriert. Die Seminargruppe hat sich in vier Teams aufgeteilt, die jeweils ein Projekt zu einem der folgenden Themen entwickelten:
- Mensch-Natur-Beziehungen, insbesondere das Zusammenleben mit großen Beutegreifern;
- Nachhaltiger Konsum: das Potenzial geografischer Herkunftsangaben (vergleichbar mit AOC in Frankreich oder DOC in Italien) für traditionelle Käseproduktion und Weidewirtschaft in der Region;
- Ökotourismus-Entwicklung;
- Citizen-Science-Initiativen.
Vom 28. bis 31. Mai 2025 nahmen sieben Seminarteilnehmer:innen an der Exkursion nach Südpolen teil. Ziel der Reise war es, den Studierenden die ökologische und kulturelle Vielfalt der Region direkt erfahrbar zu machen und tragfähige Verbindungen zu lokalen Akteur:innen aufzubauen, die in die akademische Arbeit zurückfließen.
Den Auftakt bildete Kraków, wo die Studierenden den Botanischen Garten der Jagiellonen-Universität besuchten — den ältesten universitären botanischen Garten Polens, gegründet 1783. Neben seiner beeindruckenden Sammlung alpiner und karpatischer Flora bot der Garten Einblick in jahrhundertelange botanische Forschung und Naturschutz. Ein Höhepunkt war die rund 200 Jahre alte „Jagiellonen-Eiche".
Im Anschluss besuchten die Studierenden das Seweryn Udziela Ethnographic Museum of Kraków. Ausstellungen zu Haushaltsgeräten, traditioneller Kleidung und landwirtschaftlichen Techniken vermittelten Einblicke in das ländliche Leben in den Karpaten. Die Gruppe stieß auf bemerkenswerte Parallelen zwischen polnischen und deutschen ländlichen Praktiken — etwa bei der Leinenherstellung und beim Heizen — und sah darin die transnationale Bedeutung indigener Wissenssysteme.
Am folgenden Tag reisten die Studierenden in die Tatra, einen Teil der südlichen Karpaten, für eine Wanderung in der Nähe von Zakopane. Auf dem Weg und in den umliegenden Gebieten beobachteten sie sowohl den Druck des Massentourismus als auch innovative Ansätze für eine nachhaltige Besucherlenkung in diesem UNESCO-Biosphärenreservat. In Zakopane sind traditionelle Hirtenhütten zu Restaurants umgenutzt worden, lokales Handwerk und Viehzucht sind zu touristischen Attraktionen geworden. Die Studierenden setzten sich kritisch mit diesen Entwicklungen auseinander. Eine Gruppe mit Schwerpunkt nachhaltiger Konsum knüpfte zudem Kontakt zu einem lokalen Käsemuseum und befasste sich mit der handwerklichen Herstellung von oscypek, einem geräucherten Schafskäse mit EU-Herkunftsschutz, als Fallbeispiel für ihr Projekt.
Am nächsten Tag kam die Gruppe zur Reflexion zusammen und diskutierte, wie Natur, Kultur und Wirtschaft in den Karpaten ineinandergreifen. Diese Reflexionen bilden die Grundlage für die Entwicklung eigener transdisziplinärer Lerninterventionen, die nachhaltige Entwicklung in der Region fördern sollen. Eine der Teilnehmerinnen, Pia Marie Poll, sagte: „The excursion to Krakow was a real springboard for our project, because it allowed us to meet in person instead of just virtually with a researcher from the area, who is now partnering with us."
Diese persönliche Verbindung, die die Exkursion möglich gemacht hat, steht beispielhaft für das Kernanliegen des ProBioTIC-Projekts: akademische Forschung mit gelebter Erfahrung zu verbinden und tragfähige, grenzüberschreitende Partnerschaften für den Schutz der Biodiversität aufzubauen.