SusTelling E-Learning | Modul 3: Wie setzt man SusTelling um?
Wie schreibt man selbst eine SusTelling-Geschichte? Modul 3 führt Schritt für Schritt von der eigenen Haltung über Zielgruppe, Wirkung und Struktur bis zur fertigen Geschichte, am Beispiel von Annas Text.
SusTelling E-Learning · Storytelling für Nachhaltigkeit
- Modul
- 3 von 3
- Abschnitte
- 8
- Übungen
- 2
- Audios
- 20
- Lizenz
- CC BY-NC-SA 4.0
Das Beispiel „knitz“: Die Geschichte schreiben
Die Eröffnung des Ladens für unverpackte Lebensmittel steht nun unmittelbar bevor. Anna fühlt sich jetzt gut vorbereitet für ihre Aufgabe. Sie hat verstanden, was gelingendes SusTelling ausmacht und welche Wirkungen ihr Beitrag für ihre Zielgruppe haben kann. In der Planung ihrer Kommunikation überlegt Anna zunächst, was sie genau über den Eröffnungstag erzählen möchte und wen sie damit erreichen will. Des weiteren entscheidet sie, welche Gestaltungsmerkmale von SusTelling sie in ihre Geschichte einbauen und welche Wirkungen sie erzielen möchte. Mit Hilfe einer Schritt-für Schritt-Anleitung geht sie an die Aufgabe heran, ihre eigene SusTelling Geschichte zu schreiben.

DAS SAGEN DIE PROFIS
Hör Dir die Interviewausschnitte von Torsten Schäfer und Heike Janßen an. Beide befassen sich beruflich mit dem Geschichtenerzählen. Die Antworten auf die Fragen können dich im kreativen Prozess unterstützen.
Was sind aus Deiner Sicht die wichtigsten Zutaten für eine gute Geschichte?
Was ist ein Beispiel für besonders gelungenes Storytelling?
Welche Methoden helfen dir dabei, Deine Geschichten zu entwickeln?

Torsten Schäfer ist Journalist, Schriftsteller und Professor fuer Journalismus und Textproduktion an der Hochschule Darmstadt. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Stil und Sprache, Storytelling, Umwelt- und Europajournalismus sowie mediale Nachhaltigkeit.
WebsiteAntworten anhören

Heike Janßen ist Journalistin, Schriftstellerin und Trainerin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Politik, Nachhaltigkeit, Klimawandel, Entwicklungshilfe, Medien, Afrika.
WebsiteAntworten anhören
ANNA BEGINNT …
Nun will Anna beginnen. Sie wird in den nächsten Abschnitten der Schritt-für-Schritt Anleitung folgen, bis sie ihre Geschichte fertig geschrieben hat.
Die Schritte sind:
- AEigene Haltung reflektieren
- BZielgruppe festlegen
- CWirkungen von Interesse wecken bis Aktivierung
- DEine vorläufige Struktur entwickeln
- EDie Geschichte gestalten
Mehr erfahren
Broschüre: Storytelling von Heike Janßen und Torsten Schäfer (Verein Weitblick e.V.) [link]
Buch: Storytelling für Journalisten Lampert, M., & Wespe, R. (2011). Storytelling für Journalisten. UVK Konstanz.
A. Eigene Haltung reflektieren
Leitfragen
- Mit welchem Ziel setze ich SusTelling ein?
- Was ist mein Verständnis von nachhaltiger Entwicklung?
- Welche weiteren Wirkungen könnte meine Geschichte auf mein Publikum haben? Welchen Wirkungen möchte ich vorbeugen?
Annas erste Reflektionen über ihre Haltung
Anna glaubt, dass es eine bestimmte Haltung erfordert, um Storytelling im Sinne der Nachhaltigkeit anwenden zu können. Menschen sollen nicht für dumm verkauft werden und die Geschichte sollte nicht zu einseitig verfasst sein. Anna ist bewusst, welche Risiken, wie z.B. Manipulation oder Vereinfachung mit dem Thema verbunden sind. Deswegen möchte Anna sich gut überlegen, welche Effekte ihre Geschichte für andere haben soll, haben könnte und nicht haben soll.
B. Zielgruppe festlegen
Leitfragen
- Wer ist meine Zielgruppe?
Sind es Menschen, die sich bereits mit Nachhaltigkeitsfragen beschäftigt haben und diesen positiv und aufgeschlossen gegenüberstehen? Oder sind es Menschen, die mit der Idee der Nachhaltigkeit nichts anfangen können und daher auf einem anderen Wege angesprochen werden müssen? In welchem Alter sind die Menschen, die ich ansprechen möchte? - Was ist wichtig für meine Zielgruppe? Welche Werte, Einstellungen und Interessen haben sie?
- Was hat meine Erzählung mit dem Leben meiner Zielgruppe zu tun?
Anna über ihre Zielgruppe
Anna möchte die Geschichte möglichst für ihre lokalen KundInnen erzählen, das heißt, ihr ist es wichtig, dass die Stadt Lindau und die Umgebung des Marktes in der Geschichte erkennbar werden. Sie geht davon aus, dass sich nicht alle möglichen KundInnen mit Nachhaltigkeitsthemen auskennen.
Sie denkt an verschiedene Bekannte, wie ihren Friseur Thomas, der bisher wenig Interesse an ihrem Herzensthema hatte, und versucht auf diese Weise, sich möglichst gut in ihre Zielgruppe hineinzuversetzen und zu erkennen, welchen Nutzen diese aus ihrer Geschichte ziehen könnte.
C. Wirkung, z. B. Interesse wecken oder aktivieren
C. Wirkung wie z.B. Interesse wecken oder Aktivierung
Leitfragen
- Welche Wirkung möchte ich erzielen? Was möchte ich bei der Zielgruppe erreichen?
- Welche Wirkungen meiner Erzählung möchte ich vermeiden?
- Welche SusTelling-Merkmale möchte ich einsetzen, um diese Wirkungen zu erzielen?
Annas Strategie
Anna hat schon eine Idee, wie die Geschichte wirken soll, die sie anlässlich der Eröffnung des Ladens schreiben möchte. Sie trifft sich mit ihren GeschäftspartnerInnen Daniel und Sonja und erzählt ihnen ihre ersten Ideen. Sie interessiert, wie die beiden ihre Idee finden. Dabei achtet Anna genau darauf, wie Daniel und Sonja auf die verschiedenen Elemente und Abschnitte der Geschichte reagieren: wann wirken sie neugierig und interessiert, an welchen Stellen scheinen ihre Gedanken abzuschweifen, wo äußern sie Skepsis?
Mit den ersten Rückmeldungen und ihren sich weiter konkretisierenden Ideen im Kopf zieht sich Anna nun an ihren Schreibtisch zurück und überlegt sich als nächstes, wie sie ihre Geschichte strukturieren möchte.
D. Erste Struktur entwickeln
D. Die erste Struktur entwickeln
Leitfragen
- Wer sind die handelnden Figuren? Wen stelle ich in den Mittelpunkt der Geschichte?
- Wie soll die Handlung ablaufen?
- Welche Konflikte, Entwicklungen und Lösungen sollen den inneren Spannungsbogen aufbauen und für eine spannende Geschichte sorgen?
Annas Geschichte nimmt Form an
Innere Merkmale der Geschichte
E. Die Geschichte gestalten
Leitfragen
- Wie soll die Geschichte beginnen, was soll in der Mitte passieren und womit endet die Geschichte? Arbeite ich mit „Zeitsprüngen“ wie z.B. Rückblenden?
- Welche Stilmittel unterstützen meine Handlung?
- Welche Kontextinformationen sind wichtig? Welche unwichtig?
Annas Geschichte: Der Kern
Anna überlegt, wie sich der Erzählstrang entwickeln soll. Sie hat bereits zuvor gelesen, dass Muster in Geschichten, die an unsere Erfahrungen anknüpfen, besonders gut die Fantasie von Menschen anregen. Am bekanntesten kommt ihr die Heldenreise vor – eine Heldenfigur macht sich auf den Weg, um sich einer Herausforderung, einem Problem oder einem Gegner zu stellen. Anna versteht auch, dass diese Erzählmuster oftmals mit sehr grundlegenden Gefühlen wie Liebe, Hass, Angst oder Mut verbunden sind. Ein weiterer wichtiger Hinweis für sie ist, dass die Erzählhandlung umso interessanter gestaltet werden kann, je größer und zahlreicher die Herausforderungen sind, die an die handelnden Figuren gestellt werden. In ihrem Fall reicht aber wohl zunächst eine einfache Variante, denkt Anna!
Mehr erfahren
Kent, M. L. (2015). The power of storytelling in public relations: Introducing the 20 master plots. Public Relations Review, 41(4), 480–489.
Fertigstellung der Geschichte
Anna hat nun damit begonnen ihre Geschichte zu verfassen. Vielleicht hast auch Du Lust bekommen SusTelling einmal selbst auszuprobieren. Egal, ob Du deine eigene Geschichte in Angriff nimmst oder dich erstmal an Annas Pressemitteilung versuchen möchtest. Schau dir gerne unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung im Handout an oder die fertige Geschichte, die Anna auf ihrer Webseite veröffentlicht hat. Diese kannst Du als nächstes lesen.

ANNAS GESCHICHTE
Unverpackt im Supermarkt
Lindau. Die weiße Kreide kratzt über die schwarze Schieferplatte. Es ist ein schwungvolles „n“, mit dem Anna den letzten Buchstaben ihres „Herzlich Willkommen(s)“ auf die Tafel schreibt. Das Geräusch bereitet ihr Gänsehaut. Und zugleich ist es auch die Aufregung, die ihr Herz pochen lässt und die Röte ins Gesicht treibt. Denn heute ist der Tag, auf den Anna gemeinsam mit ihrer Freundin Sonja und ihrem Kumpel Daniel monatelang hingearbeitet hat: Die Supermarkt-Filiale in der Musterstraße in Lindau feiert ihre Neueröffnung.
Anna, Sonja und Daniel sind 18, 19 und 21 Jahre alt. Sie kennen sich schon länger - und interessieren sich für alles, was mit dem Trend zur Nachhaltigkeit zu tun hat. Der hat die drei Freunde inspiriert, sich bei der Initiative „Lindau im Wandel“ zu engagieren. Sie wollen hier Mitmenschen die Angst nehmen, sich mit der vermeintlich so komplexen Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Und sie möchten ganz konkrete Aktionen entwickeln, wie etwa das nachhaltige Einkaufskonzept „knitz. natürlich unverpackt“, an dem die Drei nun in der Initiative monatelang gearbeitet haben. Heute ist Premiere.
Alles ist geordnet, wirkt reduziert
Während Anna draußen den Bürgermeister und zahlreiche Familien begrüßt, kommen Sonja und Daniel auf ihren Fahrrädern in den Hof gefahren. Bevor sich der Laden füllt, haben die beiden noch schnell die naturfarbenen Stoffbeutel geholt, die den Kunden angeboten werden, um ihre Einkäufe zu transportieren.
Beeke Müller gehört die Supermarkt-Filiale. Als sie vor wenigen Wochen auf einer Podiumsdiskussion von dem Konzept der drei hörte, sah sie das neue Design ihrer Bio-Abteilung schon vor sich: Eine Unverpackt-Ecke würde es geben. Mit einfachen Spenderzylindern voller Trockenware - Rosinen, Nüssen, Quinoa, Amaranth, Reis oder Nudeln. Dazu feine und grobkörnige Gewürze. Alles ist geordnet, wirkt reduziert auf das Wesentliche, das Produkt, beschränkt. Eben ohne jegliche Verpackungen oder Folien. Daneben frisches Gemüse und hellgrüne Kräuter, deren Farben die neue Einkaufsecke ausleuchten.
Genauso sieht es heute aus. Vielleicht sogar noch etwas besser, denkt Beeke. Sie strahlt zufrieden und blickt auf die neue Auslage der Unverpackt-Ecke, deren Angebote zu 70 Prozent aus Europa kommen. Einiges wird sogar in der Region Lüneburg, in einem Umkreis von 25 Kilometern, angebaut.
Knitz = schwäbisch und schlau
„Was bedeutet überhaupt knitz?“, fragt ein kleiner Junge mit Latzhose und blauem Sonnenhut, als Sonja an ihm vorbeiläuft. Gemeinsam mit seiner Mutter steht er vor dem großen Zylinder mit den Haferflocken. „Knitz sagt man hier im Schwabenländle zu einer schlauen Idee“, erklärt Sonja dem Jungen. „In dieser Supermarkt-Abteilung verzichten wir auf Plastik. Das ist schlau, weil wir so die Umwelt schützen können“. Der Junge nickt, richtet seine großen blauen Augen dann aber weg von Sonja und hin zu den Haferflocken. „1, 2, 3“, zählt seine Mutter leise und drückt einen Hebel herunter, um den Zylinder zu öffnen. Haferflocke für Haferflocke prasselt aus dem Zylinder heraus und hinein in die durchsichtige Müslibox mit Schiebedeckel, die der Junge mit seinen Händen fest umklammert.
Es ist bereits Mittag geworden und immer mehr Leute kommen in die neue Unverpackt-Abteilung. Viele der Kunden, ob Jung oder Alt, haben Einkaufskörbe oder Beutel mitgebracht. Sie haben die Behälter von zu Hause mitgebracht, um genau das zu tun, was Anna, Sonja und Daniel mit ihrem Konzept erreichen wollen: nachhaltig einzukaufen. Denn das ist knitz.
Ende der Lerneinheit
Geschafft!
Du hast das Ende der SusTelling-Online-Lerneinheit erreicht. Viel Spaß beim Schreiben Deiner eigenen Geschichten!
SusTelling E-Learning, Projektteam SusTelling (2020). Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0, sofern nicht anders angegeben. Gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).
Die Audios wurden 2026 auf Grundlage der ursprünglichen Sprechtexte mit KI-Stimmen (OpenAI) neu eingesprochen.