Sozioökonomische Themen gewinnen die Oberhand: Hauptergebnisse des Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometers 2025

Sozioökonomische Themen gewinnen die Oberhand: Hauptergebnisse des Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometers 2025

In einer im Dezember 2025 veröffentlichten Studie legen Daniel Fischer (Leuphana Universität Lüneburg), Matthias Barth, Sonja Geiger und Lisa Sophie Walsleben (alle Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde) sowie Marie Weiß (Leuphana Universität Lüneburg) die zentralen Befunde des Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometers 2025 vor — der vierten Erhebung in einer seit 2011 vierjährlich durchgeführten Repräsentativbefragung zum Nachhaltigkeitsbewusstsein junger Menschen in Deutschland.

Befragt wurden im Juni 2025 durch das ARIS-Umfrageinstitut bundesweit 1.506 junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren. Die Studie ist ein gemeinsames Projekt von Greenpeace e.V., der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und der Leuphana Universität Lüneburg.

Zentrale Befunde im Überblick:

  • Sozioökonomische Themen gewinnen die Oberhand. „Lebenshaltungskosten" steigt mit knapp 30 % direkt in die Top-3 der wichtigsten Themen ein. „Umweltschutz und Klimawandel" verliert gegenüber 2021 zwölf Prozent, bleibt aber unter den Top-4. „Demokratie(krise)" wird neu von 16,6 % als wichtig genannt.
  • Generationenkonflikt und politische Desillusionierung. Rund 70 % fühlen sich von der Politik beim Umgang mit der Umwelt im Stich gelassen. Über 80 % stimmen zu, dass nachfolgende Generationen die Fehler der älteren ausbaden müssen. Den aktuellen Regierungsparteien wird kaum Engagement für Nachhaltigkeit zugetraut (CDU/CSU 9 %, SPD 6,6 %).
  • Bildung als Treiber — mit Lücken in der Umsetzung. Zwischen 61 % (Hochschule) und 91,5 % (allgemeinbildende Schule) haben sich mit Nachhaltigkeit in der Bildung beschäftigt; im Vergleich zu 2011 behandeln rund 50 % mehr Schulen das Thema. Der Whole School Approach ist als Konzept angekommen, jedoch sehen weniger als die Hälfte der jungen Menschen Nachhaltigkeit als tatsächlich gelebte Praxis in ihrer Einrichtung.
  • Wahrnehmung von Klimaungerechtigkeit. Rund die Hälfte der Befragten empfindet die ungleiche Verteilung von CO₂-Emissionen — mit dem 15-fach höheren Fußabdruck der oberen 1 %-Einkommensgruppe gegenüber der unteren 50 % — als ungerecht oder extrem ungerecht.

Die Autor:innen ziehen ein eindringliches Fazit: Wenn große sozioökonomische und ökologische Probleme aus mangelnder Veränderungsbereitschaft oder populistischer Fahrlässigkeit nicht angegangen werden, drohen Wahrnehmungen von Politik- und Institutionsversagen zu wachsen, Vertrauen zu erodieren und am Ende der Demokratie Schaden zuzufügen.

Abstract:
Die Mehrzahl der jungen Menschen fühlt sich von der Politik beim Umgang mit Umwelt- und Klimathemen im Stich gelassen. Nachhaltigkeit, Bildung für nachhaltige Entwicklung und die Sustainable Development Goals begegnen der Generation Z heute in Schule, Berufsausbildung und Hochschule — doch statt Hoffnung wachsen Enttäuschung und Furcht. Besonders empört: Die Wahrnehmung, dass Menschen mit hohem Einkommen überproportional CO₂ ausstoßen, während die junge Generation die Folgen trägt. „Wir müssen Eure Fehler ausbaden" — das ist für die Befragten keine Frage mehr, sondern bittere Gewissheit. Dies zeigt die neue Studie „Greenpeace Nachhaltigkeitsbarometer 2025" zum Nachhaltigkeitsbewusstsein junger Menschen in Deutschland.

Bibliographische Angabe:
Kress, D., Geiger, S., Walsleben, L. S., Weiß, M., Barth, M. & Fischer, D. (2025). Nachhaltigkeitsbarometer 2025. Sozioökonomische Themen gewinnen die Oberhand — Wir MÜSSEN eure Fehler ausbaden! Hamburg: Greenpeace e.V. Verfügbar unter: greenpeace.de/publikationen/GP_Nachhaltigkeitsbarometer_2025.pdf